des Grafen Lindorf und des Butlers Bastille anläss- lich der Konzertreise im Herbst des Jahres 2008

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Bastille: Eine außerordentliche Studienreise führte mich nach Dresden, um von einem fernen Nachfahren der alten Meister letzte Ratschläge für abrundende Pinselstriche zur Vollendung des „Time-Zeit“-lichen Bühnenprospekts einzuholen, welches seit dem gestrigen Tage nun das coppelianische Bühnenbild ziert. Bevor ich den Rückweg ins Preußische antrat, um dort die letzten Vorbereitungen für die Abreise zu treffen, versorgte ich mich noch mit einem Krug frischen Dresdner Quellwassers. Sie werden sich nun fragen, wo man denn heutzutage so etwas noch bekommt. Sie werden es kaum glauben, aber im Gegensatz zur Kräfte zehrenden Arbeit des Wasserheraufholens aus dem coppelianischen Schloßbrunnen, zapft man in Dresden mancherorts dasselbige unmittelbar aus der Wand. Auf dem Herrensitz schon sehnlichst zurückerwartet, geriet ich bei meiner Rückkunft ob der vorzüglichen Flüssigkeit ins Schwärmen. Dabei wurde ich vom Grafen belauscht, der schon immer eine Schwäche für einen guten Tropfen nicht verbergen konnte. Bei dem sich daraus entfachenden Diskurs über regionale Wasserqualitäten, zeigte ein Vergleich des Dresdner Quellwassers mit dem hiesigen Preußen-Brunnen, daß erhebliche Unterschiede zu verzeichnen sind. Nach einer kurzen Konsultation mit dem guten alten Coppelikus, der versuchte, uns mit wissenschaftlichen Erläuterungen Klarheit zu verschaffen, faßten der Graf und ich kurzerhand einen Entschluß: Von nun an würden wir eine Kostprobe aus jeder Stadt, in welcher wir im folgenden gastieren sollten, verkosten, hierzu einen Bericht verfassen sowie schlußendlich einen Sieger bestimmen, der das coppelianische Siegel erhält... 

Tag 1

Graf Lindorf: Leichte blaue Farbe, feine Schwebeteilchen, leicht herb anmutend, rein im Geschmack und erfrischend. Bastille reicht mir einen Krug frischen Wassers, es ist das gute Dresdner. In dieser Nacht des Beginns unserer Tonträgerveröffentlichungskonzertreise wird die Verkostungsreihe geboren und sie wird von einem wahrlich guten Tropfen eingeleitet. Dem guten Dresdner!

Bastille: Während ich den Krug des Dresdner Wassers nur zufällig in mein Gepäck gesteckt und mir zunächst nur den Durst zu löschen versucht hatte, merkte ich alsbald, daß sich mein Durst nach diesem kühlen Naß nur verschlimmern sollte. Wahrlich! Ich kann dem Grafen nur zustimmen und darüber hinaus möchte ich behaupten, nie ein besseres Getränk zu mir genommen zu haben.

Tag 2 (Wien)

Bastille: Unser Vorhaben wird jäh an den Rand des sofortigen Scheiterns gelenkt, als ich feststellen muß, daß der Krug mit der Wiener Wasserprobe zerbrochen zu meinen Füßen liegt. In einem Moment der Unachtsamkeit, war dieser beim Beladen der Kutsche vom Kutschbock gestürzt. Ängstlich die Schelte des Grafen erwartend, blicke ich indes in sein freudiges Gesicht, als er mir mit folgenden Worten beschreibt: „Weich, etwas kalkig im Abgang, Schwebeteilchen kaum zu erkennen, glasklar. Die Wiener brauchen sich ihres Wassers wirklich nicht zu schämen.“ Der Graf hatte ohne mein Wissen eine eigene Probe gezogen und damit die Verwirklichung unseres Vorhabens gesichert.

Tag 3 (Landshut)

Graf Lindorf: Während sich die Herrschaften von Subway To Sally zu einer Jubiläumsfeierlichkeit ihres Grammphonveröffentlichungsbetiebes im beschaulichen Stuttgarten begeben, sind wir bei Linz rechts abgebogen, um in Landshut zu gastieren. Ein gut sortierter Konzertsaal mit einer geräumigen Bühne und einem blauen Vorhang, vor dem das lärmende Publikum unseren Auftritt erwartet, machen den Abend zu einem anstrengend musikalischen Erlebnis, der jedoch im Inneren meines Herzens von der Aussicht auf die abendliche Wasserprobe versüßt wird. Nachdem der Auftritt und 3 Dacapos absolviert sind, eile ich voller Ungeduld in die Umkleidestube, um die von Bastille zuvor bereitgestellte Karaffe in näheren Augenschein zu nehmen: leicht trübes Erscheinungsbild mit nur langsam zu Boden sinkenden Schwebeteilchen, besonders weichem Anschlag und einer derart süßlichen Note, die – wüsste ich es nicht besser – auf Zuckerreste in einem nicht ganz reinlich zur Hand genommenen Gefäß vermuten lassen würden. Ein für meinen Geschmack nur mittelmäßiger Tropfen, der eher denjenigen unter Ihnen zu empfehlen ist, die dem Herben nicht viel Freude abgewinnen können. 

Tag 4 (Zürich)

Bastille: Ja, die Schweizer. Das heutige Konzert wurde von Kunigundes Geburtstag bestimmt, denn eine spezielle Einstudierung meiner Herren hatte dazu geführt, daß das werthe Fräulein auf die Bühne gebeten und Ihr zu ihrem Wiegenfeste gehuldigt wurde. Die Freude war ihr an den Augen abzulesen, kannte sie doch das dargebrachte Stück nur zu genau. Es handelte sich um „Rightful Wasser“, ähm… ich meine „Rightful King“ von den Inchtabokatables.
Sie merken schon, meine hochgeschätzte Leserschaft, daß ich mich schon ganz unwillkürlich dem vorherrschenden Thema auf der Tagesordnung des Grafen und mir zuwende: Wasser. An diesem Tag taufen wir die gezogene Probe auf „Schweizer Berggipflisprudli“. Heute sind der Graf und ich uns im Groben sogar recht einig, als wir uns darüber verständigen, einen sehr erfrischenden Tropfen hinter die Binde gegossen zu haben. Das Erscheinungsbild zeichnet sich zunächst durch eine mannigfaltige Blubberbläschenbildung am Rande des Experimentiergefäßes aus. Eine leicht säuerliche Note mit herbem Anschlag, doch zugleich recht kernig im Abgang, ohne jedoch zuvor auf Höhe des Gaumens ein prickelndes Fließverhalten zu entwickeln. Alles in Allem kann man den Züricher Stadtbewohnern zu ihrem Wasser recht herzlich gratulieren, denn die Einflüsse der Hochalpenquellle dringen durchaus bis in diese freundliche Metropole.

Graf Lindorf: Hick…schluck...

Bastille: Wohl bekomms, Herr Graf! 

Tag 5 (München)

Bastille: Ich reiche meinem Herren den schon sehnlichst erwarteten Tropfen. An unserem konzertfreien Tag nehmen wir uns besonders viel Zeit, um uns dem Weine des einfachen Mannes zu widmen.

Graf Lindorf: Dieses Wasser sagt mir nichts! Ich weiß nicht, was ich sagen soll.

Bastille: Obwohl wir uns seit Tagen auf das Bayrisch Liquide freuen, müssen wir bereits bei dem ersten Schluck feststellen, daß es unseren Erwartungen und Ansprüchen sowie Gelüsten leider nicht Rechnung zu tragen vermag.

Graf Lindorf: Ich blickte in das wie immer ausdruckslose Gesicht unseres Dieners, doch konnte ich sofort feststellen, daß wir uns wohl diesmal wieder einig werden würden. Keine besondere Note, kein Charakter. Auch die Schwebeteilchen hängen einfach nur so herum und die Frische läßt in ihrer Selbstgefälligkeit nur so auf sich warten. Wenn ich daran denke, daß der folgende Tag ebenfalls keine neuen Erkenntnisse hervorbringen wird, fühle ich mich ganz elend. Gott sei’s gedankt, hat Bastille am vorigen Tage nach unserer sehr erfolgreichen Probe des Züricher Berggipflisprudlis noch einen extra Krug für schwierige Zeiten abgefüllt und gut gekühlt bereitgestellt. 

Tag 6

Bastille: Keine neuen Erkenntnisse. Und die Züricher Vorräte gehen rapide zur Neige. Wir hoffen, daß Karlsruhe Linderung schafft. 

Tag 7 (Karlsruhe)

Bastille: Ein recht stressbeladener Konzertaufenthalt! Ich habe es gerade noch rechtzeitig geschafft, die Schuhe der Herren zu putzen und die Kerzen anzuzünden, bevor es mit Schwung zu einem neuen musikalischen Stelldichein kam. Auch die Ankunft gestaltete sich recht schwierig, da unsere Kutsche in einer äußerst beengten Straße kaum zu rangieren war. Aber unser eigens für diese Konzertreise angeheuerter Kutscher Norman, meisterte auch diese Unannehmlichkeit auf’s Vortrefflichste, indem er dem Pferd rechts vorn einen kleinen Hieb unter den linken Schenkel und dem Pferd hinten links einen Klaps auf den Allerwerthesten verpaßte. Aber ich schweife ab. Lassen Sie mich nun wieder zu unserem kulinarischen Flüssigkeitserlebnis zurückkehren und Ihnen zunächst davon berichten, daß in all der Hektik an diesem Tage fast vergessen wurde, den Krug erneut mit einer aktuellen Probe zu füllen. Indes der Graf warf mir direkt vor unserer Abreise noch einen konzentrierten Blick zu, der mich sofort daran erinnerte, was zu tun sei. Doch lesen Sie selbst…

Graf Lindorf: Ein recht flaches Wässerchen. Sie fragen sich wie das zu verstehen ist? Anstatt seinen vollen Geschmack am Gaumen zu entfalten, spielt sich die Reizwirkung hauptsächlich auf der Zungenebene ab. Etwas kalkig, mildes Bouquet, im vorderen Mundbereich zwar erfrischend, doch mit einigen Defiziten im hinteren Rachenraum. Man könnte fast von einem tockenen, fast mehlig anmutenden Gewässer sprechen. Hält man die gläserne Karaffe gegen das Licht, sind Schwebeteilchen praktisch nicht zu erkennen.
Aber wir dürfen nicht zu streng ins Gericht mit den Karlsruher Wasserwerken gehen, denn man ist dort sicher recht gewissenhaft bei der Arbeit. 

Tag 8 (Nürnberg)

Graf Lindorf: Welch ein Konzertabend. Die Atmosphäre des Nürnberger Löwensaals ist phantastisch, die Luft zum schneiden und die Stimmung der Zuschauer von bester Qualität. Auffordernde Rufe, Bastille möge sich doch bitte ausziehen, werden seinerseits mit ignorierender Miene beantwortet. Er scheint sich nur sehr ungern ob der Entgleisung im Oktober 2005 erinnern zu wollen. Ich entlasse ihn indes nicht aus seiner Verantwortung und verdonnere ihn vor dem Konzert dazu, als Mahnung einige Eimer frischen Nürnberger Neptunswelle als Löschwasser für den Kamerablitz bereitzustellen. Bei der späteren Verkostung wird deutlich, daß es hierfür sehr wohl geeignet, jedoch viel zu schade ist. Gott sei Dank benötigen an diesem Abend kein Löschwasser, da sich eine wohl gewählte Menge Magnesiums in der Blitzpfanne unseres Fotoapparates befindet.

Bastille: Der Abend begann für mich mit mehreren Ungereimtheiten. So wurde ich von meinen Herrschaften mehrmals gewarnt, doch nicht wieder zu tief in das Absinthglas zu schauen, um mich nicht erneut vor dem Publikum blamieren zu müssen. Ich begriff nicht, worauf meine Herren hinauswollten. Auch als man mich auf der Bühne zur Entledigung meiner Kleidungsstücke aufforderte konnte ich mich an nichts erinnern. Wie dem auch sei, bei der Verkostung der Nürnberger Neptunswelle stellte sich folgendes heraus: ungemein hart, fast grob im Anschlag. Eine feinste gelbliche Färbung lassen auf einen hohen Eisenanteil schließen. Damit ist es mir ganz klar. Das Nürnberger Wasser ist wohl die Eiserne Jungfrau unter den Wassern. 

Tag 9 und 10 (Kaiserslautern & Köln)

Graf Lindorf: Der 9. Tag beginnt etwas später für mich, als ich es gewohnt bin, da Bastille mich diesmal nicht zum Morgenspaziergang weckte. Der Grund: er fühlte sich stimmlich nicht ganz wohl und versuchte sich zu rekuperieren. Ich begann den Tag also mit einer ausgiebigen Rasur und als ich mir mein Gesicht mit dem frischen Kaiserslautern’schen Lebenswässerchen aus dem Hahn benetzte, spürte ich sogleich seine verheißungsvolle positive Frische, die mir am Abend vom Publikum des ausverkauften Kammgarn alsbald wieder begegnen sollte. Ein fulminantes Konzert, welches von Spaß und Lebensfreude dirigiert zu sein schien, machte den Abend zu einem herausragenden Erlebnis. Das, was ich zuvor in dem gekosteten Wasser bereits am Morgen geschmeckt hatte – würzig, herbes Bouquet, fruchtiger Ton und erfrischende Schärfe – bestätigte der Abend auf seine eigene Weise. Eine kleine Gruppe blutjunger Filmleute von allerfreundlichster Art konnten mit neumodischen Bildaufnahmegeräten einige Eindrücke des Konzertes festhalten, was sie nun auch für den nächsten Tag zu tun beabsichtigten. Bastille hatte sich indes wacker geschlagen und seine Gesangspartien mit gewohnt souveräner Manier dargeboten.
Der 10. Tag stand nun auf einem wackligen Bein, wie ich vermeintlich glaubte, denn ich fragte mich, ob Köln bieten konnte, was in Kaiserslautern geboten worden war. Aber wie sollte ich mich irren, als begleitet von unseren Filmfreunden das Konzert von Köln begann. Über 2000 Menschen hatten sämtliche Karten für diesen Abend aufgekauft und waren tatsächlich auch gekommen. Diesen Anblick werde ich wohl noch sehr lang in Erinnerung behalten. Als ich während des Konzertes, bei welchem sich die Publikumsmengen zu einer tobenden Masse aufschwangen, von Bastille Echtes Köllnisch Wasserhahnwasser gereicht bekam, kannte auch meine Freude keine Grenzen mehr. In Hitze gebracht von Musik, Spiellust und Jubel und zugleich erfrischend gekühlt von Bastilles Bühnenwasserkostprobe, an welcher also derart viele Menschen Anteil nahmen, berauschten mich auf’s Vortrefflichste. Als wir von unseren Filmfreunden und technischen Helfern Abschied nahmen, ging ein einmaliger Tag für mich zu Ende. Abgerundet wurde alles nun noch mit wiederholtem Hervorzücken meines Wasserkruges, der mir das frisch-spritzig-aufmunternde Geschenk einer wässrigen Gesamtkomposition die Kehle hinunterrinnen ließ.

Tag 11 (Kiel)

Bastille: Was war geschehen?.......Das Wasser?....... Mein Gott!!! Wir schreiben den 11ten Tag unserer Wasserverkostungsreise. Ich erwachte. Nein; nicht wie gewohnt um vier Uhr zwölf in der Frühe, sondern haargenau dreieinhalb Minuten davor. Gequält von Furcht erregenden Albträumen. Ich träumte, der Krug mit der Kieler “Fischmanns Erfrischung“ läge zu Scherben zerborsten vor meinen Lackschuhen, während sich das Getränk neben den Pflastersteinen auf und davon machte. Ich höre bereits den tobenden Tenor des Grafen über mir hereinbrechen, als es mir gelingt auch das letzten bißchen Schlaftrunkenheit von mir abzuschütteln. Ich ergreife mit ruhigem Blick und fester Hand die zum Glück noch intakte Karaffe mit dem Kieler Tropfen und trinke. Fade im Anschlag, erquickend kalkig, jedoch verliert sich das Wasser all zu plötzlich hinter der Binde. Ganz plötzlich… Ohne Ankündigung. Merkwürdig. Ich stelle zufrieden den Krug zurück auf den Nachttisch und freue mich auf die mir verbleibenden zwei einviertel Minuten Schlaf. Es gilt ausgeruht zu sein, denn am heutigen Tage steht Kiel auf dem Plan. 

Tag 12 und 13 (Hanover)

Graf Lindorf: Der hohe Norden liegt hinter uns. Eine frische Brise weht uns nach, als wir Richtung Hannover davonfahren. Ein freier Tag in Hannover soll uns Erholung bereiten, damit weitere energievolle Konzerte angegangen werden können. So suchten wir körperliche Erholung und geistige Zerstreuung.
Zwei Jahre zuvor waren wir bereits einmal mit Subway To Sally im Saal des „Capitol“ aufgetreten und hatten sehr gute Erinnerungen daran. Das Publikum war uns auch in der Tat wieder wohl gesonnen und es bereitete uns viel Spaß, wenngleich einige Töne an diesem Abend mißlangen. Wir ließen uns davon jedoch nicht entmutigen, sondern spielten drauf los, was die Instrumente hergaben. Ich hatte mir die Wasserverkostung an unserem freien Tag zuvor aufgehoben, um sie an unserem Konzertabend nach vollbrachter Arbeit zu genießen. Aber was soll ich Ihnen berichten? Eine neuartige Chemikalie namens Chlor (wie man mir später erklärte) verdarb mir den Genuß des kühlen Naß’. Chlorartiger Geschmack also, und ein unangenehm weiches Gefühl am Gaumen sind alles, was ich dazu sagen kann. 

Tag 14 (Neu Isenburg)

Bastille: Ernst aber solide. Mit diesen Worten eröffne ich als sich auch der letzte Tropfen des Neu-Isenburger Schloßbrunnenwassers einen Weg durch meine Kehle hinunter bahnte. Wir befinden uns nun in der Nähe der Stadt Frankfurt am Main. So wie sich der Geschmack des besagten Wassers zeigte, so erging es uns schließlich auch auf der Bühne. Ein solides Konzert mit konzentrierter Bogenführung, exzellenter Klappenbenutzung und überaus rhythmischer Schlagstockbetätigung. Auch hier stoßen wir auf ein zunächst etwas zurückhaltendes Auditorium. Doch als sich schließlich Nobusama mit seinem Solo, im Stück Time-Zeit, in die Herzen der Anwesenden klopft, bleiben auch hier kaum musikalische Wünsche offen und auch der Durst ist bis auf weiteres gestillt. 

Tag 15 (Magdeburg)

Graf Lindorf: Regen bringt eine erste ungewollte Wasserverkostung mit sich, die noch von einer Wasserverkostung der besonderen Art begleitet wird (Text wurde an dieser Stelle entfernt). Wie dem auch sei, ein recht verhalten gefüllter Saal kann von uns dennoch in überschwängliche Stimmung versetzt werden. Ein Tropfen Alkohol gibt mir an diesem gutes Gefühl, da ich im rechten Augenblick von der Flasche Entfernung suche. B.Deutung und Erik Fish geben uns an diesem Abend die Ehre, jenes Stück der Inchtabokatables mit uns gemeinsam zu spielen, welches wir dem Fräulein Kunigunde van Heller zu ihrem Geburtstag vorgetragen hatten. Es war eine besondere Freude. Das Wasser beschreibt auch hier wieder auf erstaunlich treffende Weise den Tag: würzig, vollmundig, zugleich lieblich und etwas scharf im zweiten Augenblick des Geschmacksreizes. 

Tag 16 (Bremen)

Bastille: Eine Sturmwarnung verheißt nicht nur dem Grafen und mir eine bis zum Rand gefüllte Karaffe. Wir sind nun in Bremen angelangt und der Wind welcher an allen Türen und Fenstern rüttelt, braust auch durch die unterirdischen Gewölbe des geräumigen Aladin. Geschmacklich bin ich von den letzten Wassern ein wenig enttäuscht. Was dem Grafen nicht recht einleuchten will. Jedoch… und ich schäme mich nicht es zuzugeben, sehne ich mich immer noch nach dem Züricher Wasser, welches meine Voreingenommenheit gegenüber allen anderen Liquiden geweckt hat und dessen Vorrat ich, ohne das wissen des Grafen, nun auch gänzlich verbraucht habe. Doch auch wenn uns das Bremer Publikum einen Herzlichen Empfang zu bereiten verstand und uns schließlich nur mit Mühe von der Bühne klatschen konnte, die Damen und Herren waren mir noch nicht laut genug, so bin ich trotz alle dem nicht gerade erpicht auf die Aussicht der täglichen Wasserverkostung zusammen mit dem Grafen Lindorf, welcher keine Aussetzer duldet. Dennoch… sei es drum: Im Anschlag ein wenig süß und salzig zu gleich, erfrischend kalkig und mit würzig herbem Nachgeschmack. Ein recht ordentliches Getränk. 

Tag 17 (Erfurt)

Bastille: Wir schreiben nun den 10.11.2007 unserer Wasserverkostungskonzertreise. Als ich nun am heutigen morgen mein Bett verließ sollt ich noch nicht ahnen welche ungewöhnlich Wendung dieser ganz gewöhnlich beginnende Tag nehmen sollte. Sie werden sich nun sicher fragen. Warum??? Vielleicht weil Erfurt für sein besonders mildes und bekömmliches Wasser, mit seiner in sich ganz und gar runden und weichen Note bei Zungenberührung und seiner beinahe Fruchtig frischen Bekömmlichkeit bei Gaumenbenetzung sowie der vollen Entfaltung des würzigen Geschmacks im Abgang, bekannt ist und somit meine Sehnsucht nach der Wiener Spezialität getilgt werden sollte??? Für alle, welche an diesem denkwürdigen Tag nicht anwesend sein konnten, hier nun die Erklärung.
Es war für alle eine Große Enttäuschung als wir erfahren mussten, daß die Zugmaschine (beladen mit allerlei technischer Gerätschaft, welche für den reibungslosen Ablauf des Abends garantieren sollte) wohl nicht rechtzeitig in Erfurt ankommen sollte. Alles Hoffen und Bangen brachte nichts, denn als auch nach Stundenlangen warten immer noch keine Kutsche in sicht war (ich hatte inzwischen alle Hebel in Bewegung gesetzt und ein Viergespann der Zugmaschine entgegengeschickt) wurde die Entscheidung gefällt das Konzert ausfallen zu lassen bzw. auf den 30.11.07 zu verlegen. Auf meinen Vorschlag hin, man möge doch auf die elektrische Verstärkung verzichten um ein rein Akustisches Konzert zu geben (mit der Erläuterung Coppelius habe fast ein gesamtes Jahrhundert unverstärkt auf aufgespielt, da die Elektrizität noch nicht erfunden war) erntete ich lediglich unwirsche und verständnislose Blicke. Da nun der Coppelianische Bühnenaufwand wesentlich geringer ausfallen sollte als der von Subway To Sally, wurde die ...

Tag 18 (Berlin)

Bastille: Nun werte Leserschaft ist es fast so weit. Der Tag des letzten Konzertes sowie die Abstimmung über das bekömmlichste Wasser ist gekommen. Die Aufregungen und Anstrengungen der letzten 17 Tage (im Besonderen die der letzten 20 Stunden) haben mich prächtig schlafen lassen und noch vorm ersten Hahnenschrei war ich auf den Beinen um den Morgendlichen Tee zu bereiten. Als ich nun so am Küchenbecken stehe um das Wasser für den Tee zu entnehmen, erinnere ich mich noch einmal zurück, denn wie die Aufmerksamen Leser unter Ihnen vielleicht schon bemerkt haben, halte ich jetzt den Urheber der Wasserverkostungsidee in einem Krug vor mir gefangen. Das Gute Preußen-Brunnen. Nun werden Sie sich sicherlich Fragen ob es mithalten konnte, mit dem schmackhaften Wiener Getränk, dem mittelmäßigem Landshuter Tropfen, dem erfrischenden Schweizer Berggipflisprudli, dem nichts sagenden Bayrisch Liquiden, dem milden Karlsruher, der erfrischenden Nürnberger Neptunswelle, dem scharfen Kaiserslauterer, dem echt Kölnisch Wasserhahnwasser, dem Kieler Fischmanns Erfrischung, dem chlorartigen Hannoveranschen, dem Neu-Isenburger Schlossbrunnenwasser, dem würzig, vollmundigen Magdeburger Naß, dem stürmischen Bremer Sprudel sowie dem bekömmlichen Erfurter.
An dieser Stelle gerate ich ins Stocken, denn wie soll man das in Worte fassen, was doch einerseits reines Subjektives empfinden und andererseits pure Emotion und Temperament ist. Sollte es jedoch unter Ihnen einige wissensdurstige Menschen geben, welche es ganz genau wissen möchten, so lasse ich mir zunächst folgende Antwort entringen. Liebes Auditorium! Lieber Leser! Ein Gelehrter Mann hat einmal gesagt: „Das Wasser ist wie jeder weiß die Beste aller Gottes gaben, drum trink ich Bier, man muß ja nicht immer nur vom besten haben.“ Auf den tieferen Sinn dieser Zeilen möchte ich nicht weiter eingehen, jedoch sei JEDER von Ihnen angehalten Wasser zu verkosten und zu reisen in ferne Gefilde und Lande und vielleicht selbst einmal ein Tagebuch zu verfassen, um dann die Freuden nachvollziehen zu können, welche der Graf, die restlichen Herrschaften, ich und all die anderen erfahren durften, auf dieser Reise quer durchs Land. Es sei auch an alle ein Dank ausgesprochen, welche die Herren und mich so herzlich unterstützt haben auf der Bühne und anderswo, mit euphorischem Gejubel und Applaus. Das Lesen dieser Zeilen hat Ihnen hoffentlich genauso viel Freude bereitet, wie uns das verfassen. Im Übrigen halte ich das Dresdner Wasser für das Beste.

Hochachtungsvoll Ihr Diener Bastille 

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